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Psychosoziale Prozessbegleitung

Was ist psychosoziale Prozessbegleitung?

Psychosoziale Prozessbegleitung ist eine besondere Form der Zeugenbegleitung. Sie stellt keine Alternative zur allgemeinen Opferhilfe bzw. Opferberatung dar, sondern versteht sich als ergänzendes Angebot für besonders schutzbedürftige Verletzte von Straftaten. Es handelt sich um eine besonders intensive Form der Begleitung für stark belastete Verletzte von Straftaten und ggf. deren Angehörige vor, während und nach der Hauptverhandlung durch psychosoziale Fachkräfte. Psychosoziale Prozessbegleitung umfasst qualifizierte Betreuung, Informationsvermittlung und Unterstützung von Verletzten mit dem Ziel, ihre individuelle Belastung zu reduzieren und die Aussagetüchtigkeit als Zeugin oder Zeuge im Strafverfahren zu fördern.


Wer kann psychosoziale Prozessbegleitung in Anspruch nehmen?

Psychosoziale Prozessbegleitung richtet sich an besonders schutzbedürftige Verletzte und deren Angehörige in einem Strafverfahren, sofern sie besonders schutzbedürftig sind, und die einer besonderen Unterstützung bedürfen, unter anderem:

  • Kinder und Jugendliche
  • Personen mit einer Behinderung
  • Personen mit einer psychischen Beeinträchtigung
  • Betroffene von Sexualstraftaten
  • Betroffene von Gewalttaten (mit schweren physischen, psychischen oder finanziellen Folgen oder längerem Tatzeitraum wie z.B. bei häuslicher Gewalt oder Stalking)
  • Betroffene von vorurteilsmotivierter Gewalt und sonstiger Hasskriminalität
  • Betroffene von Menschenhandel


Rechtliche Grundlagen

Die psychosoziale Prozessbegleitung ist durch das Gesetz zur Stärkung der Opferrechte im Strafverfahren vom 21. Dezember 2015 (3. Opferrechtsreformgesetz) mit Wirkung ab dem 1. Januar 2017 im deutschen Strafverfahrensrecht – in § 406g der Strafprozessordnung (StPO) – und in einem eigenständigen Gesetz über die psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahren (PsychPbG) verankert worden.

§ 406g StPO regelt dabei die im engeren Sinne strafverfahrensrechtlichen Aspekte der psychosozialen Prozessbegleitung. Das PsychPbG regelt die Grundsätze der psychosozialen Prozessbegleitung (§ 2 PsychPbG), die grundlegenden Anforderungen an die Qualifikation psychosozialer Prozessbegleiterinnen und Prozessbegleiter (§ 3 PsychPbG) sowie deren Vergütung (§§ 5-9 PsychPbG) bundesweit einheitlich.

Das PsychPbG eröffnet den Ländern die Möglichkeit, das Leitbild und die Standards der psychosozialen Prozessbegleitung zu konkretisieren und ggf. an Fortentwicklungen in der Praxis anzupassen. Diesen Spielraum füllt für Hessen das Hessische Ausführungsgesetz zum Gesetz über die psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahren (PsychPbGHAG).


Wer kann als psychosoziale Prozessbegleiterin oder psychosozialer Prozessbegleiter in Hessen anerkannt werden?

Die Anerkennung richtet sich nach dem Hessischen Ausführungsgesetz zum Gesetz über die psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahren (PsychPbGHAG).

Für die förmliche Anerkennung ist der Präsident des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main zuständig.

Das Merkblatt zum Anerkennungsverfahren für die psychosoziale Prozessbegleitung und der Erfassungsbogen zur Aufnahme in das Verzeichnis der anerkannten psychosozialen Prozessbegleiterinnen und psychosozialen Prozessbegleiter stehen als Download zur Verfügung.

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Ansprechpartner

Daniela Jung
Oberlandesgericht Frankfurt am Main
Tel.: +49(0) 69 1367 2430
verwaltung@olg.justiz.hessen.de

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